Themen: Gesellschaft, Migration/Asyl, Gleichstellung
Regionen: Schweiz, Bern/Freiburg
Ein Autor hört nachts in Burgdorf, wie ein junger syrischer Nachbar Frauen ohne Hidschab als «Biester» und «Dummköpfe» beleidigt. Die Aussage verletzt ihn auch persönlich, weil mehrere Frauen seiner Familie keinen Hidschab tragen. Er deutet sie als Ausdruck einer dogmatischen, identitären Abschottung, verweist aber zugleich auf die Fluchterfahrung des Nachbarn, der offenbar als etwa 15-Jähriger in die Schweiz kam. Schulen, Integrationsprogramme, Arbeitsplätze und Familien müssten Vielfalt und gegenseitigen Respekt vermitteln, doch der Autor warnt davor, die Verantwortung allein einer Kultur oder Religion zuzuschreiben. Extremismus sei in Syrien durch den IS ebenso bekannt wie durch europäische IS-Kämpfer; er erinnert zudem an die rechtsextremen Attentäter Anders Breivik und Brenton Tarrant. Im Burgdorfer Quartier Gyrischachen leben auf 0,20 Quadratkilometern Menschen mit rund 50 Sprachen. Der Autor sieht darin einen Mikrokosmos globaler Konflikte und plädiert gegen Konfrontation für einen ruhigen Dialog. Er räumt ein, in diesem Alter selbst ähnlich gedacht zu haben.