Themen: Krieg&Frieden, Kultur/Feuilleton
Regionen: International, Russland/Eurasien
Christian Gerlachs Studie «Kalkulierte Morde» analysiert die deutsche Wirtschafts- und Vernichtungspolitik in Belarus während der Besatzung von 1941 bis 1944. Im Zentrum steht der Hungerplan, mit dem NS-Deutschland Nahrungsmittel für Wehrmacht und Reich gewinnen wollte. Die dafür vorgesehene Unterversorgung der sowjetischen Bevölkerung, insbesondere in Belarus sowie Mittel- und Nordrussland, war Teil einer Strategie, die Millionen Tote einkalkulierte. Gerlach beschreibt die Verbindung von ökonomischen Interessen, rassistischer Ideologie und militärischer Planung. Betroffen waren vor allem sowjetische Kriegsgefangene, Juden sowie Bauern und andere Zivilisten, die bei der sogenannten Partisanenbekämpfung getötet, vertrieben oder zur Arbeit gezwungen wurden. Von rund neun Millionen Menschen unter deutscher Herrschaft in Belarus wurden laut Studie 1,6 bis 1,7 Millionen ermordet. Städte und Dörfer wurden zerstört, Millionen Menschen verloren ihre Wohnungen oder wurden umgesiedelt. Die Studie wertet wirtschaftliche Motive nicht als Entlastung, sondern als Beleg für den reflektierten mörderischen Vorsatz der Täter.