Themen: Kultur/Feuilleton, Kultur
Regionen: Schweiz, Zürich/Winterthur
Die Inszenierung von Brecht und Hauptmanns «Dreigroschenoper» am Zürcher Schauspielhaus wird scharf kritisiert. Die neue Ko-Leitung Pınar Karabulut und Rafael Sanchez verwandle ein gesellschaftspolitisch aufgeladenes Werk in ein sentimentales Musical und verfehle damit Brechts Anliegen. Besonders beanstandet werden gestrichene oder entschärfte Passagen zur Ausbeutung, zur Bettlerei als Handwerk und zur Manipulierbarkeit menschlicher Gefühle. Die musikalische Gestaltung entferne sich mit balladenhaftem Gesang vom derben, unmenschlichen Ton, für den Lotte Lenyas Interpretation stehe; zudem fehle es an Mimik, Gestik und dramatischer Präzision. Auch die Beziehung zwischen Polizeichef Brown und dem Gangster Mackie bleibe ohne politische Deutung. Ihre gemeinsame Nummer werde mit Liegestützen und einer angedeuteten romantischen Geste choreografiert, statt die systemstabilisierende Freundschaft zweier ehemaliger Soldaten herauszuarbeiten. Insgesamt bleibe die Aufführung musikalisch mittelmässig und politisch wirkungslos.