Themen: Gesellschaft, Ungleichheit, Neutralität
Regionen: Schweiz, Schweiz Unbestimmt
Patrick Vallélian thematisiert die Rolle der Schweiz im Kolonialismus und stellt den verbreiteten Eindruck eines unbeteiligten kleinen Neutralenstaats infrage. Als Beispiel nennt er die Bedeutung der Schweiz für Schokolade und Kaffee, obwohl diese Pflanzen nicht in den Alpen wachsen. Die Eidgenossenschaft habe keine militärischen Eroberungen betrieben, aber finanzielle und kommerzielle Verbindungen zu kolonialen Imperien gepflegt. Bereits seit dem 16. Jahrhundert seien Genfer Bankiers und Basler Händler Teil globaler Ausbeutungsdynamiken gewesen, einschliesslich des Sklavenhandels. Auch die Entwicklung von Unternehmen wie Nestlé, Novartis und ABB wird mit Ressourcen aus anderen Weltregionen verknüpft. Vallélian verweist auf Richard Behrendts Werk «Die Schweiz und der Imperialismus» von 1932 und bezeichnet die Auseinandersetzung mit dieser Geschichte als weitgehend verdrängt. Die Ausgabe 47 von Sept Mook lässt Historiker zu Wort kommen und fragt, ob die Schweiz ihren Wohlstand teilweise als Ergebnis eines ungleichen Systems anerkennen will.