Themen: Gesellschaft, Ungleichheit, Kultur/Feuilleton
Regionen: Schweiz, Schweiz Unbestimmt, International, International Unbestimmt
Die Ausgabe 47 von Sept Mook, «La Suisse coloniale», rückt die Rolle der Schweiz im Kolonialismus ins Zentrum. Sie argumentiert, die Schweiz habe ihren Einfluss nicht durch militärische Eroberungen, sondern über Finanz- und Handelsverbindungen zu kolonialen Mächten aufgebaut. Bereits ab dem 16. Jahrhundert seien Genfer Banker und Basler Händler in globale Ausbeutungsstrukturen, einschliesslich des Sklavenhandels, eingebunden gewesen. Das Bild eines kleinen neutralen Landes habe diese Verflechtungen verdeckt. Als Beispiele für Unternehmen, die von Ressourcen aus anderen Weltregionen profitiert hätten, werden Nestlé, Novartis und ABB genannt. Der Ökonom Richard Behrendt habe die Verbindung von Schweiz und Imperialismus schon 1932 untersucht. Historikerinnen und Historiker sollen in der Ausgabe diese weitgehend tabuisierte Geschichte aufarbeiten. Im Mittelpunkt steht die Frage, inwiefern der Schweizer Wohlstand auch aus einem tief ungleichen kolonialen System hervorgegangen ist.