Themen: Gesundheit, Gesellschaft
Regionen: International, Südostasien
Nyoman wurde nach einer gewaltsamen Verwechslung in seinem Dorf auf Bali traumatisiert und entwickelte schwere psychische Störungen. Seine Familie kettete ihn nach der indonesischen Praxis des «Pasung» fünf Jahre lang mit einem hölzernen Joch an. 2011 begann die Psychiaterin Luh Ketu Suryani, ihn mit Neuroleptika zu behandeln. Seine Erkrankung blieb von Rückfällen geprägt; zeitweise wurde er erneut angekettet oder in einem Raum eingeschlossen. Suryani leitet in Denpasar ein Institut für psychische Gesundheit und besucht Betroffene in abgelegenen Dörfern. Sie kämpft gegen die Fixierung und Isolation psychisch kranker Menschen, die in Indonesien trotz eines Verbots von 1977 weiterhin vorkommen. Laut offiziellen Zahlen waren über 57'000 Menschen mindestens einmal davon betroffen. Suryani verweist auf den Mangel an psychiatrischer Versorgung und auf religiös-kulturelle Vorstellungen über psychische Krankheiten. Sie kombiniert Medikamente, Meditation und traditionelle Behandlungen, obwohl ihre Methode innerhalb der Fachwelt auf Widerstand stösst.