Themen: Gesellschaft, Migration/Asyl, Demokratie
Regionen: Schweiz, Schweiz Unbestimmt
Michel Mettler stellt der idealisierten, vermeintlich homogenen Schweiz bei Jeremias Gotthelf die vielfältige Gegenwart gegenüber. Anhand von Menschen aus unterschiedlichen Herkunftsländern in seinem Alltag beschreibt er eine Gesellschaft, die sich trotz sprachlicher und kultureller Unterschiede verständigen müsse. Fremdheit habe sich gewandelt: Während sie bei Gotthelf oft am nahen Auswärtigen festgemacht werde, seien heutige Lebenswelten von Migration, Mobilität, Digitalisierung und globalen Abhängigkeiten geprägt. Stadt und Land erscheinen als unterschiedliche, aber gleichzeitige Formen des Zusammenlebens. Die Auseinandersetzung über das Gemeinsame finde in sozialen Medien, Institutionen, Kantinen, Gemeindeversammlungen und bei Abstimmungen statt. Mettler warnt davor, demografische Vielfalt als blosses Zuviel zu deuten oder Abschottung als Lösung zu betrachten. Die Schweiz sei wirtschaftlich, infrastrukturell und gesellschaftlich eng mit ihrem Aussen verbunden; Rückkehr zu einer vermeintlich einfachen Vergangenheit sei keine Option.