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Das russische Rätsel – Modernität und Glockengeläut im Doppelgespann

Global Bridge
Das russische Rätsel – Modernität und Glockengeläut im Doppelgespann

Themen: Kultur/Feuilleton

Regionen: International, Russland/Eurasien

Waleri Gawrilins Chor-Sinfonie «Glockengeläute» hat im Moskauer Konzertsaal Sarjadje einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Das 1984 in Leningrad uraufgeführte und 1985 mit dem Staatspreis der Sowjetunion geehrte Werk entstand am Vorabend der Perestroika, enthält aber keine sozialistische Propaganda. In 13 Episoden richtet es den Blick auf Natur, Gott, das Dorfleben sowie auf Trauer und Freude einfacher Menschen. Der Chor aus Swerdlowsk sang unter Sergej Petrenko Texte aus Volks- und Diebesliedern; Schauspieler Sergej Garmasch sprach auf der Bühne Selbstgespräche und Dialoge mit Gott. Glocken, Schlaginstrumente, rhythmische Laute und Soli strukturierten die Aufführung. Gawrilin, 1939 in Wologda geboren, verlor seinen Vater im Krieg, wuchs nach der Inhaftierung seiner Mutter im Kinderheim auf und erhielt später eine Ausbildung am Leningrader Konservatorium. Sein Werk knüpft an die Welt des Schriftstellers Wasili Schukschin an und verbindet russische Klangtraditionen mit künstlerischer Freiheit des kulturellen Tauwetters.

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