Themen: Sport, Kultur/Feuilleton, Gesellschaft
Regionen: International, International Unbestimmt
Der Fussball wird als Schauplatz hartnäckiger Mythen und extremer Emotionen betrachtet. Éric Cantonas Kung-Fu-Tritt gegen einen Zuschauer und sein rätselhaftes Möwengleichnis stehen für die Selbstinszenierung des Sports. Der Essay widerspricht besonders der Formel vom «verdienten Sieg»: Im Fussball zählten allein Tore, nicht Spielanteile oder ästhetische Überlegenheit. Als Beispiel dient Ecuadors Niederlage gegen die Elfenbeinküste trotz mehrerer Aluminiumtreffer. Fussball sei für die meisten Fans weniger Freude als eine lange Folge von Fehlpässen, Fouls und enttäuschenden Gegentoren, unterbrochen von wenigen erlösenden Treffern. Das Spiel wird zudem mit einer gesellschaftlichen Tendenz zur Verkindlichung verbunden, die sich auch in Politik und Freizeitindustrie zeige. Schliesslich wird der Mythos widerlegt, Weltmeisterschaften versammelten zwingend die besten Spieler: Alfredo Di Stefano, George Weah, Ian Rush, Georgie Best und Cantona fehlten aus unterschiedlichen Gründen an Endrunden.