Themen: Gesellschaft, Demokratie, Ungleichheit
Regionen: International, Europa
Alain Bertho deutet die landesweiten Demonstrationen und Ausschreitungen in Frankreich als ungewöhnliche Bündelung lange aufgestauter Konflikte. Den Anstoss hätten besonders benachteiligte Schüler:innen aus den Banlieues gegeben; anders als früher verbänden sich ihre Mobilisierungen nun mit studentischen und anderen Protestmilieus. Bertho verweist auf ungelöste Wut nach den Gelbwesten, den Protesten gegen Rentenreformen und den Unruhen nach dem Tod von Nahel Merzouk. Plünderungen und Zerstörung seien zwar für Betroffene schwerwiegend, müssten aber als Ausdruck von Verzweiflung ernst genommen werden. Die Jugendlichen beanspruchten zudem eine Nation, die auch diskriminierte Menschen einschliesse, und stellten sich damit gegen die extreme Rechte. Bertho sieht internationale Resonanzen bei jungen Protestbewegungen, die Erfahrungen von Pandemie, Klimawandel und wachsender Ungleichheit teilten. In Europa beobachtet er zugleich mehr rassistisch motivierte Zusammenstösse und einen Widerstand gegen die extreme Rechte.