Themen: Gesundheit, Gesellschaft, CH-Politik
Regionen: Schweiz, Zürich/Winterthur
Michael Herzig, von 1998 bis 2014 Zürcher Drogenbeauftragter, kritisiert vor der Street Parade den weiterhin alarmistischen Schweizer Diskurs über Drogen. Psychedelika, Cannabis, Ketamin, Kokain, Crack und Heroin würden unterschiedlich bewertet, insgesamt aber kriminalisiert, statt Konsum als verbreitete und vielfältige Realität zu behandeln. Die grosse Mehrheit der Konsumierenden werde nicht abhängig; Abhängigkeit könne jedoch bei legalen wie illegalen Substanzen entstehen und werde durch finanzielle Probleme, Stigma und Ausgrenzung verschärft. Herzig sieht Widersprüche in Politik und Gesellschaft, etwa beim Jugendschutz, bei Medikamenten oder bei der Behandlung traumatisierter Minderjähriger in Asylunterkünften. In Zürich würden privilegierte Milieus über LSD, Ecstasy oder Psilocybin offen sprechen, während Crackkonsumierende aus dem öffentlichen Raum verdrängt würden. Drogenpolitik betreffe deshalb auch Disziplinierung: Ob Menschen sanktioniert würden, hänge wesentlich von Einkommen, Bildung, Herkunft, Aufenthaltsstatus, Wohnsituation und weiteren sozialen Faktoren ab.