Themen: Gesellschaft, Leben
Regionen: International, Westasien
Özge, eine 30-jährige Frau aus Istanbul, lebt bei ihren Eltern und darf bei ihrem Partner nicht übernachten: Um 23 Uhr holt ihr Vater sie regelmässig ab. Ihr französischer Partner erlebt die sechsmonatige Beziehung zunächst als Verbindung über kulturelle Grenzen hinweg. Kennengelernt haben sie sich über die Dating-App Hinge, die in seinem Umfeld als Plattform wohlhabender, säkularer Menschen erscheint. Dort dominieren westliche Popkultur, Reisebilder aus Europa und Statussymbole, zugleich finden sich offen ausgrenzende Profile mit Aussagen wie «No Syrians or Arabs». Der Autor beschreibt verbreitete Verschwörungsvorstellungen gegenüber westlichen Ausländern und Ressentiments gegen syrische Geflüchtete. Özge stammt aus einer wohlhabenden kemalistischen Familie, wuchs teilweise in einem englischsprachigen afrikanischen Land auf und studierte in den USA. Sie gehört zu den urbanen, westlich orientierten «Beyaz Türk», die sich auf die säkulare republikanische Tradition Atatürks berufen und dem heutigen politischen Machtzentrum kritisch gegenüberstehen.