Themen: Kultur, Kultur/Feuilleton
Regionen: Schweiz, Bern/Freiburg, International, Europa
Der Berner Schriftsteller Giuliano Musio hat mit seinem dritten Roman «Aus anderem Holz» die Longlist des Deutschen Buchpreises erreicht; die ersten beiden Auflagen waren rasch vergriffen, eine dritte folgt. Der 49-Jährige schrieb den 270-seitigen Roman nach einem Einfall im Herbst 2024 in etwas mehr als einem Jahr. Zuvor hatte er vier Jahre an einem humorvolleren Buch gearbeitet, es nach Rückmeldungen von Freunden aber verworfen, weil es seiner eigenen Einschätzung nach nicht gelungen war. «Aus anderem Holz» greift Pinocchio auf: Die einstige Holzfigur Pinò Fabbri sucht mit dem pflegebedürftigen Geppetto in einem Bergtal bei Bergamo nach der Herkunft einer Urne. Dabei führen Spuren zu Alpini, vergifteten Textilarbeiterinnen und Italiens bleiernen Jahren. Musio, dessen Vater aus Apulien in die Schweiz eingewandert war, wählte Norditalien bewusst mit Distanz zu Süditalien. Für die Recherche lebte er während eines Jahres zwischen Bern und Bergamo, lernte sein Italienisch mit einem KI-Avatar und suchte in Bars den Kontakt zu Einheimischen. Trotz des Erfolgs lebt er weiterhin nahe am Existenzminimum und arbeitet als Korrektor bei der NZZ.