Themen: Reisen & Ferne Welt, Gesellschaft
Regionen: International, Russland/Eurasien
Am ehemaligen sowjetischen Atomtestgelände Semipalatinsk in Kasachstan organisiert Amir Kairzhanov zweitägige Ausflüge nach Chagan, Kurtchatow und zum «Atomsee» Chagan. Nach seinen Angaben reisen jährlich 2000 bis 3000 Menschen an, von Rucksackreisenden bis zu Familien. Die Touren kosten 1000 oder 1800 Franken und führen durch verlassene Siedlungen sowie zu Bewohnern der Region. Kairzhanovs Grossvater, der sein Leben am Gelände verbracht hat, empfindet manche Besuche als voyeuristisch und fühlt sich wie eine Laborratte beobachtet. Der Guide versteht die Fragen der Gäste auch als Schutz gegen das Vergessen. Nach Ende der Tests wurden die Waffen mit Beteiligung Washingtons und Moskaus beseitigt; zurückgebliebene Orte wurden geplündert. Über gesundheitliche Probleme werde kaum öffentlich gesprochen, kritische Bilder zirkulierten verdeckt. Ein Forscher führt dies auf Scham, sowjetische Geheimhaltung und diplomatische Rücksicht auf Russland zurück. Russland feiert am 29. August die erste Bombe von 1949, Kasachstan die Schliessung des Geländes 1991.