Themen: Kultur, Kultur/Feuilleton
Regionen: Schweiz, Romandie
Genfs Entwicklung zur kreativen Stadt hat nach Ansicht des Autors tiefe Wurzeln in der Geschichte des Buchdrucks. Bereits 1478 erschien mit der «Histoire de la Belle Mélusine» ein europäischer Bestseller. Ab 1550 liessen sich französische Drucker wie Robert Estienne in Genf nieder, weil sie dort freier arbeiten konnten als in Paris. Sie verbreiteten reformatorische Schriften; die von Théodore de Bèze übersetzten Psalmen erreichten 1565 eine Auflage von 27'400 Exemplaren. Nach der Bartholomäusnacht brach der katholische französische Markt weg. Die Stadt mit damals 200 Druckern bei 20'000 Einwohnern verlagerte sich auf weltliche Literatur und publizierte Abenteuer, Poesie und wissenschaftliche Werke in mehreren Sprachen. Die florierende Branche förderte Typografie, Bildsprache und Schreiben. Daraus entstand ein Umfeld für Autorinnen und Autoren wie Rodolphe Toepffer, Albert Cohen und Nicolas Bouvier. Kreativwirtschaft zählt heute neben Life Sciences und Digitalwirtschaft zu den Wachstumspfeilern Genfs.