Themen: Gesellschaft
Regionen: Schweiz, Zürich/Winterthur
Mindestens zehn Frauen sollen durch einen früheren Winterthurer Stadtpfarrer sexuelle, körperliche und seelische Übergriffe erfahren haben. Die reformierte Zürcher Landeskirche wusste laut den Vorwürfen seit Jahren davon, griff aber nicht ein und liess den Pfarrer später in weiteren Kantonen arbeiten. Die Kirchenleitung räumte inzwischen Versäumnisse ein und entschuldigte sich. Kommentare kritisieren insbesondere, dass kantonale Kirchenstrukturen einen Wechsel des Pfarrers ermöglichten. Stephan Jütte von der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz fordert deshalb schweizweit verbindlichere Schutzkonzepte, klare Meldewege und das Einholen von Referenzen. Die Eigenständigkeit der Kantonalkirchen dürfe nicht dem Täterschutz dienen. Urs Brosi von der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz warnt zugleich davor, Missbrauch allein mit Katholizismus oder Zölibat zu erklären. Beide Vertreter betonen die Bedeutung von Macht, Abhängigkeit und institutioneller Verantwortung; die Aufarbeitung in Kirchen bleibe notwendig.