Themen: Leben, Kultur/Feuilleton
Regionen: Schweiz, Schweiz Unbestimmt
Die akademische Viertelstunde, einst eine Regel des Hochschulbetriebs, soll als entspannter Umgang mit privaten Verabredungen wiederentdeckt werden. Früher begannen Vorlesungen mit dem Zusatz c.t. erst 15 Minuten nach der angesetzten Stunde, damit Studierende zwischen Hörsälen wechseln konnten; s.t. bedeutete einen Beginn zur genauen Zeit. Heute herrsche selbst bei Freizeitplänen oft eine Nulltoleranz gegenüber kleinsten Verspätungen: Gäste meldeten bereits wenige Minuten nach dem vereinbarten Zeitpunkt ihr schlechtes Gewissen. Davon ausgenommen bleiben wichtige Geschäftstermine, Reisen mit festen Check-in-Zeiten und andere Situationen, in denen Verzögerungen Folgen haben. Bei einem Feierabenddrink, einem Lunch oder einem Raclette-Abend könne man Wartezeit hingegen gelassen nutzen – etwa mit Beobachtungen im Restaurant oder Haushaltsarbeiten zu Hause. Statt verspätete Freunde mit Vorwürfen zu empfangen, empfiehlt sich ein freundlicher Kommentar: Zu spät komme man immer rechtzeitig.