Themen: Gesellschaft, Ungleichheit, Demokratie
Regionen: Schweiz, Zentralschweiz, International, Südostasien
Louis Wyrsch diente von 1816 bis 1832 in der niederländischen Kolonialarmee und lebte in Banjarmasin auf Borneo mit einer als Ibu Silla bezeichneten Frau sowie gemeinsamen Kindern. In seinen privaten Unterlagen wurden Passagen über sie offenbar sorgfältig entfernt. Der Historiker Bernhard C. Schär rekonstruiert ihre Existenz anhand verbleibender Stellen, eines Taufzeugnisses von 1832 und weiterer Dokumente. Wyrsch brachte die älteren Kinder Alois und Constantia nach Europa beziehungsweise nach Nidwalden zurück, während Ibu Silla mit einem dritten Kind in Borneo blieb. In Nidwalden wurden Wyrsch und sein Sohn später als Wegbereiter der Demokratie wahrgenommen. Der Beitrag verbindet diese Familiengeschichte mit der These, dass die Schweiz nicht isoliert entstand, sondern in koloniale Macht- und Ungleichheitsverhältnisse eingebunden war. Er fordert, historische Leerstellen zu untersuchen, weil nicht europäische Frauen und andere marginalisierte Personen in den überlieferten Quellen oft kaum sichtbar sind.