Themen: Bildung, Gesellschaft, Gleichstellung
Regionen: International, Westasien
Ultraorthodoxe Schülerinnen in Israel erzielen laut einer neuen Auswertung der PISA-Ergebnisse bessere Leistungen im Lesen und in Mathematik als Mädchen an säkularen staatlichen Schulen. Bereits 2022 lagen sie beim Lesen zwölf Punkte vor ihren nichtreligiösen Altersgenossinnen; 2025 vergrösserte sich der Abstand laut Untersuchung auf annähernd zwei Schuljahre. Auch in Mathematik erreichten die ultraorthodoxen Mädchen inzwischen leicht bessere Werte. Die Resultate gelten als bemerkenswert, weil das ultraorthodoxe Bildungssystem häufig wegen eines eingeschränkten Lehrplans kritisiert wird. Mädchen erhalten meist eine breite Allgemeinbildung, während Jungen vielerorts vor allem religiöse Studien betreiben und Mathematik, Englisch oder Naturwissenschaften nur begrenzt lernen. Die Ergebnisse erlauben daher keinen Schluss auf das ganze System. Sie zeigen vielmehr eine wachsende Kluft zwischen den Geschlechtern: Ultraorthodoxe Frauen erwerben zunehmend beruflich verwertbare Qualifikationen und tragen oft wesentlich zum Familieneinkommen bei. Zugleich weisen die Daten auf einen deutlichen Leistungsrückgang säkularer Schülerinnen und eine vertiefte Bildungskrise hin.