Themen: Geopolitik, Innen-Politik, Kultur/Feuilleton
Regionen: International, Russland/Eurasien
Eine Erzählerin schildert eine Reise nach Sankt Petersburg im Jahr 1994, auf der sie ihren Vater begleitet. Der Empfang im Grand Hotel Europe erfolgt unter strengen Sicherheitsvorkehrungen; zuvor habe es dort eine tödliche Schiesserei gegeben. Als Verantwortlicher für die Aussenhandelsbeziehungen der Stadt begrüsse Wladimir Wladimirowitsch Putin die Delegation auf Deutsch. Der Vater will die tatsächlichen Machtverhältnisse erkunden, während Deutschland auf Investitionen drängt. In einer Diskothek beobachtet die Erzählerin ausländische Banker und trifft später Wladimir Kumarin, den einarmigen Anführer der Tambovskaya, den sie als mächtigste Mafia der Stadt bezeichnet. Kumarin erkundige sich über Ausbildungsmöglichkeiten für seine Kinder. Aus diesen Eindrücken und eigenen Abklärungen folgere der Vater, dass ein milliardenschwerer Einstieg für sein Unternehmen zu unsicher sei. Rückblickend deutet die Erzählerin die damaligen Petersburger Verhältnisse als Vorbild des heutigen russischen Systems; viele damalige Akteure seien weiterhin aktiv.