Themen: Gesundheit, Gesellschaft
Regionen: Schweiz, Schweiz Unbestimmt
Fabienne Schneuwly entwickelte mit 17 oder 18 Jahren eine Zwangsstörung. Nach einem Ferienmonat allein in Kalifornien geriet sie psychisch in eine Krise und begann, Kontakte mit goldenen Gegenständen zu vermeiden. Goldschmuck, Eheringe, Türklinken oder goldene Reissverschlüsse lösten bei ihr das Gefühl aus, ihre Hände seien schmutzig. Händewaschen und Desinfizieren brachten kurzfristige Erleichterung, doch die Rituale wurden zunehmend umfangreicher. Sie vermied später auch Umarmungen, bestimmte Kleidung, Essen aus Kochtöpfen mit goldenen Henkeln und den Teppich im Flur. Als religiöse Schuldgedanken hinzukamen, vertraute sie sich ihren Eltern an und erhielt professionelle Hilfe. Nach Therapie und mit Medikamenten betrachtet sie die Störung heute als Teil ihres Lebens, ohne dass Ordnungsvorlieben krankhaft seien. Schneuwly fordert mehr Forschung und Sensibilisierung, besonders für Jugendliche. Online-Selbstdiagnosen und die Gleichsetzung von Zwangsstörungen mit Ordnungsliebe empfindet sie als verletzende Bagatellisierung.