Themen: Klima&Energie, Umwelt, Wissenschaft
Regionen: International, Europa
In Europa stehen 313 Offshore-Öl- und Gasanlagen vor der Stilllegung, vor allem in der Nordsee und im Mittelmeer. Der vollständige Rückbau samt sicherem Verschluss der Bohrlöcher kann pro Plattform bis zu 500 Millionen Euro kosten. OSPAR verlangt im Nordostatlantik grundsätzlich die Entfernung, doch Betreiber geraten in Verzug: EnQuest wurde im April mit 16,5 Millionen Pfund gebüsst, und 2025 hatten 500 Bohrlöcher ihre Frist verpasst. Als Alternative gilt «Rigs-to-Reef»: Teile der Anlagen bleiben als künstliche Riffe liegen. Bei der niederländischen Halfweg-Plattform wurden 2020 65 Arten festgestellt. Italien verlangt neu, dass bei Stilllegungsprojekten zuerst entstandene Ökosysteme geprüft werden. Umweltorganisationen kritisieren dies als Entlastung für Ölkonzerne. Forschende warnen zugleich vor Schadstofflecks, invasiven Arten und veränderten Ökosystemen bei zurückgelassenen Anlagen. Auch der Rückbau schädigt möglicherweise Sedimente und neue Lebensräume. Entscheidungen sollen deshalb standortspezifisch erfolgen.