Themen: Geopolitik, Krieg&Frieden, CH-Politik
Regionen: Schweiz, Schweiz Unbestimmt, International, Westasien
Die Verhandlungen über Irans Atomprogramm begannen mit einer europäischen Initiative Frankreichs, Deutschlands und Grossbritanniens. Iran erklärte sich zunächst zu einem Moratorium bei der Urananreicherung bereit, beendete dieses aber später, weil die zugesagten wirtschaftlichen Gegenleistungen ausblieben. Nach den Sanktionen des Sicherheitsrats von 2006 versuchte die Schweiz, mit einer internationalen Konferenz und dem Vorschlag eines doppelten Einfrierens von Sanktionen und Zentrifugenbau zur Deeskalation beizutragen. Das EDA verfolgte dabei eine aktivere Linie als der Bundesrat und irritierte die USA sowie Frankreich, das der Schweiz mangelnde Sachkenntnis und Unvereinbarkeit mit ihrem amerikanischen Schutzmachtmandat vorwarf. Micheline Calmy-Reys Reise nach Teheran 2008 zur Unterzeichnung eines Gasvertrags verschärfte die Kontroverse; auch ein nuklearpolitischer Teil der Reise war im Bundesrat nicht angekündigt. Washington erwog, der Schweiz das Mandat zur Interessenvertretung zu entziehen. Im Sommer 2008 beendete Bern den eigenständigen Kurs und richtete sich fortan nach dem Sicherheitsrat. Das geplante iranisch-italienische Gasprojekt kam nicht zustande.