Themen: Kultur/Feuilleton, Gesellschaft, Krieg&Frieden
Regionen: International, Europa
Ruth Fayon schildert die Geschichte ihrer jüdischen Familie von den Schtetln nahe Lodz bis zum Leben im tschechoslowakischen Karlsbad. Ihre Mutter Rondla überlebte als junge Frau einen Pogrom russischer Kosaken während des Ersten Weltkriegs. Der Vater Josef floh 1914 vor Verfolgung und Einberufung nach Karlsbad, wo er zunächst Kellner wurde und später ein koscheres Restaurant führte. 1920 holte er seine Frau und die älteste Tochter nach. Ruth wurde 1928 in Karlsbad geboren. Die Familie lebte bürgerlich, sprach Deutsch, Jiddisch und Tschechisch und war in einer internationalen Kurstadt weitgehend integriert. Das Judentum blieb für sie persönlich und zugleich traditionsprägend. Mit Hitlers Aufstieg zerbrach diese Sicherheit. Die Nazis und Angehörige der Sudetendeutschen Partei brannten die Synagoge von Karlsbad nach der Kristallnacht 1938 nieder. Familienangehörige in Polen wurden 1939 ermordet. Fayon, später Überlebende von Auschwitz und Bergen-Belsen, bewahrt die Erinnerungen an eine ausgelöschte Welt.