Themen: Kultur/Feuilleton
Regionen: Schweiz, Zürich/Winterthur
Thorleifur Örn Arnarssons Neuinszenierung von Wagners «Tannhäuser» am Opernhaus Zürich verlegt die Fragen nach Liebe, Begehren und Glück in eine heutige Bildwelt. Der Venusberg wächst aus schwarzer Leere, Elisabeth erscheint zunächst als zerstörte Alabasterstatue. Die Wartburgwelt bricht mit einem Leichenwagen, Alkohol und Kokain überraschend grell in die Szene ein und wirkt lebensfroher als der vermeintlich verruchte Venusberg. Christina Nilsson bewältigt ihre anspruchsvolle erste Arie souverän und gewinnt im dritten Akt deutlich an musikdramatischer Kraft. Eric Cutler lässt die schwierige Titelpartie mühelos erscheinen, Christian Gerhaher zeichnet Wolfram besonders fein. Der Chor überzeugt ebenfalls. Dirigent Tugan Sokhiev lässt das Orchester häufig sehr laut spielen und wählt vor allem in den Ensembles langsame Tempi. Im dritten Akt verdichten sich musikalisch und szenisch viele zuvor offene Ansätze.