Themen: Geopolitik, Demokratie, Kultur/Feuilleton
Regionen: International, Europa
Arancha González Laya, Dekanin der Schule für internationale Angelegenheiten von Sciences Po Paris, schildert in ihrem jüngsten Essay eine dystopische Zukunft Europas. In diesem Szenario hat Kiew kapituliert, Russland die Ukraine besetzt und China die Kontrolle über Taiwan übernommen. Marine Le Pen regiert Frankreich, Nigel Farage das Vereinigte Königreich, während die Demokratie in den USA nur noch Fassade ist. Die Europäische Union erscheint darin als seelenlose «administrative Konföderation» ohne politisches Projekt. González Laya erklärt, sie habe die Dystopie mehrfach überarbeiten müssen, weil die Realität ihre Entwürfe eingeholt habe. Mit dem Buch wolle die Handels- und Europaexpertin in einer zunehmend brutalisierten Welt Orientierung bieten. Anlass des Interviews war ihr Aufenthalt in Genf; zur Debatte standen auch teils gewaltsame Jugendproteste in Frankreich, Italien, Spanien und Portugal sowie ein verbreitetes Gefühl eines unvermeidlichen Niedergangs in Frankreich und Deutschland.