Themen: Krieg&Frieden, Geopolitik, Kultur/Feuilleton
Regionen: International, Europa
Helmut Scheben nimmt die Verurteilung des kosovarischen Ex-Präsidenten Hashim Thaçi zum Anlass, das westliche Geschichtsbild der Balkankriege grundsätzlich infrage zu stellen. Er verweist auf Verfahren gegen UÇK-Vertreter wie Ramush Haradinaj, auf Aussagen der ehemaligen Haager Chefanklägerin Carla del Ponte sowie auf Kritik an mutmasslicher westlicher Einflussnahme auf die Strafverfolgung. Für Bosnien schildert er, gestützt auf Notizen des UN-Generals Philippe Morillon, Verbrechen bosniakischer Milizen gegen serbische Dörfer im Raum Srebrenica und Bratunac. Scheben bezweifelt nicht Erschiessungen nach der Einnahme Srebrenicas 1995, stellt jedoch die Einordnung sämtlicher Opfer als hingerichtet und den Genozidvorwurf zur Diskussion. Zudem beschreibt er PR-Arbeit, Medienbilder und die Unterstützung Kroatiens, Bosniens und des Kosovo durch westliche Staaten als Faktoren einer anti-serbischen Darstellung. Die NATO-Bombardierung Serbiens 1999 bewertet er als völkerrechtswidrige Intervention und als Bruch der internationalen Nachkriegsordnung.