Themen: Kultur/Feuilleton, Gesellschaft, Innen-Politik
Regionen: International, Europa
Andrin Uetz reist Anfang August 2025 für ein sechsmonatiges Atelierstipendium der Kulturstiftung des Kantons Thurgau nach Belgrad. Unweit seiner Wohnung beim Parlament erlebt er noch am Ankunftsabend, wie rund dreissig Polizisten in Vollmontur auf eine Gruppe von Demonstrierenden und Passant:innen losstürmen. In den Folgetagen beobachtet er weitere Ausschreitungen: Regierungsnahe Hooligans schiessen Feuerwerk in Menschenmengen, Tränengas dringt bis zu seiner Wohnung vor. Tagsüber prägt das bewachte Camp Ćaciland im Pionierski Park die Umgebung des Parlaments. Es wird seit März 2025 von Unterstützern der Regierung bewohnt und als Gegenbild zu den Universitätsbesetzungen durch Studierende dargestellt. Uetz nimmt die Hitze, Verkehrsfeinstaub, den Geruch rund um das Camp und seine eigene Verunsicherung intensiv wahr. Zwischen Rückzug, Spaziergängen und Recherchen zur Balkanregion versucht er, sich als Schweizer Kulturschaffender, Gast und Zeuge in der Stadt neu zu orientieren.