Themen: Kultur/Feuilleton
Regionen: International, Europa
Marine Atlans erster Spielfilm «La Gradiva» setzt mit einem voyeuristischen Zwischenfall in einem Zug ein: Ein Schüler beobachtet einen anderen beim Sex mit einer Mitschülerin, ehe wiederum eine weitere Schülerin ihn beobachtet. Wer was gesehen hat, bildet die zurückhaltende Ausgangsmatrix des Films. Die französische Klasse reist mit ihrer Französisch-Latein-Lehrerin und einer Begleitperson nach Italien und bezieht ein Haus oberhalb von Torre del Greco zwischen Neapel und Pompeji. Bereits der Aufstieg auf den Vesuv verknüpft den Alltag der Jugendlichen mit Geologie, Geschichte und vergangenen Zeiten. Atlan, zuvor als Kamerafrau tätig, interessiert sich besonders für den Schüler, der im Zug beobachtet und in der Klasse als Unruhestifter erscheint. Der naturalistisch wirkende Film mit unerfahrenen Darstellern und Handkamera entwickelt laut Kritik durch seine eigene Bildsprache und Erzählweise eine unerwartete Wirkung.