Themen: Kultur/Feuilleton, Bildung
Regionen: International, Europa
Yannick Haenels Roman «La Solitude des professeurs est infinie» folgt Jean Deichel, einem 22-jährigen Französischlehrer, der in den 1990er-Jahren am Collège Saint-Exupéry in Mantes-la-Jolie unterrichtet. Aus Erinnerungen an Haenels eigene Zeit als Lehrer entwickelt der Roman ein Bild vom Unterricht zwischen Begeisterung, Erschöpfung, institutioneller Geringschätzung und Gewalt. Deichel trifft auf einen autoritären Schulleiter, versucht aber, Schülerinnen und Schüler für Poesie und Sprache zu gewinnen. Der Text verbindet diese Erfahrungen mit der späteren Frage, wie ein Verbrechen wie die Ermordung des Lehrers Samuel Paty 2020 möglich wurde. Ein bei einer Schulfeier zerbrochener wertvoller Krug prägt die Handlung: Die Pflicht, ihn zu ersetzen, stürzt den jungen Lehrer in Scham und finanzielle Enge. Zugleich wird der Krug zur Metapher für das Schreiben, das Zerstreutes wieder zusammensetzt. Das Buch würdigt Lehren und Schreiben als miteinander verbundene Berufungen.