Themen: Kultur/Feuilleton, Ungleichheit, Gesellschaft
Regionen: Schweiz, Romandie
Jean Ziegler ist im Alter von 92 Jahren in Genf gestorben. Der aus dem Kanton Bern stammende Soziologieprofessor, langjährige SP-Politiker und Uno-Experte gehörte zu den international bekanntesten Schweizer Intellektuellen und Globalisierungskritikern. Seine Vorlesungen an der Universität Genf zogen ein grosses Publikum an, seine Kritik an Kapitalismus, Hunger und sozialer Ungleichheit machte ihn weit über die Schweiz hinaus bekannt. Mit seinem Buch «Une Suisse au-dessus de tout soupçon» von 1976 griff er den Schweizer Diskurs über Neutralität, humanitäre Hilfe, Banken und die Rolle des Landes im Zweiten Weltkrieg an. Dafür erhielt er besonders in der Deutschschweiz heftige Kritik und den Ruf eines «Nestbeschmutzers». Ziegler vertrat die Auffassung, Hunger sei vor allem Folge politischer und wirtschaftlicher Strukturen. Kritiker warfen ihm Vereinfachungen und ungenaue Schilderungen vor; eine von ihm erzählte Episode über einen Knaben in Burkina Faso erwies sich als erfunden. Später sorgten auch seine Aussagen, Gewalt könne eine Option sein, für Kontroversen.