Themen: Kultur/Feuilleton, Gesellschaft
Regionen: Schweiz, Basel/NWCH
Eine frühere Basler Mitte-Grossrätin wendet sich gegen die Kritik, Deutschschweizerinnen und Deutschschweizer sprächen ein schlechtes oder «scheussliches» Hochdeutsch. Für sie ist Standarddeutsch keine gehobene Muttersprache, sondern Schrift- und Verständigungssprache. Kinder kämen mit ihrem Dialekt in die Schule und müssten Standarddeutsch zunächst für das Lesen und Schreiben lernen; gerade deshalb sei es emotional weniger selbstverständlich als der Dialekt. Dialekte hätten in der Deutschschweiz einen hohen Stellenwert als Identifikationsmerkmal und würden bewusst gepflegt. Dies unterscheide sich von der Vorstellung, Mundart sei Sprache mangelnder Bildung. Im Gespräch mit einem Hamburger Paar erläutert die Autorin, dass sie mit einem Zürcher Begleiter nicht Standarddeutsch, sondern je den eigenen Dialekt spreche. Auch Tessinerinnen und Romands grenzten sich sprachlich bewusst vom benachbarten Ausland ab. Schweizer Akzente und Dialekte gehörten für sie zur Herkunft und müssten nicht abgelegt werden.