Themen: Kultur, Geopolitik, Krieg&Frieden
Regionen: International, Westasien
Aserbaidschan präsentiert Kirchen und Klöster in Berg-Karabach, darunter das Kloster Gandsassar, als Erbe des christlichen kaukasisch-albanischen Volkes. Die Autorin ordnet diese «Albanisierungsthese» als Kern einer neuen aserbaidschanischen Kulturpolitik ein. Sie geht auf den Historiker Zia Buniatov zurück und behauptet, Armenier hätten sich erst im 19. Jahrhundert angesiedelt und ältere Sakralbauten umgedeutet. Laut Darstellung lehnt die internationale Geschichtsforschung dieses Narrativ als nationalistisches Konstrukt ab. Der Text verknüpft den Streit um Kulturdenkmäler mit der Geschichte des Karabachkonflikts, Vertreibungen auf beiden Seiten und der Flucht von rund 120'000 Karabach-Armeniern nach der aserbaidschanischen Offensive 2023. Armenien fürchtet um die zurückgelassenen Denkmäler; verwiesen wird auf eine EU-Resolution mit 1'456 überwiegend armenischen Monumenten unter aserbaidschanischer Kontrolle sowie auf eine Anordnung des Internationalen Gerichtshofs zum Schutz des Kulturerbes. Die Autorin kritisiert zudem die europäische Annäherung an Präsident Ilham Alijew als Realpolitik.