Themen: Corona, Wissenschaft, Gesundheit
Regionen: Schweiz, Schweiz Unbestimmt
Zu Beginn der Corona-Pandemie forderten 25 Schweizer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am 13. März 2020 schärfere Massnahmen. Der Neuropathologe Adriano Aguzzi warnte damals vor 60’000 Todesfällen bis Juli; zu diesem Zeitpunkt waren in der Schweiz rund 1735 Menschen an oder mit Covid gestorben. Der Beitrag ordnet diese Prognose in eine Reihe früherer Modellfehler ein, etwa bei BSE, der Maul- und Klauenseuche, Schweinegrippe und Ebola. Christian Althaus hatte Ende Februar 2020 für Covid eine Infektionssterblichkeit von einem Prozent vertreten und sich dabei auch auf Berechnungen des Imperial College berufen. Spätere Modellierungen seines Teams veranschlagten für die Schweiz etwa 0,5 Prozent. Althaus hält seine anfängliche Einschätzung für damals vertretbar, während der Epidemiologe John Ioannidis sie als offensichtlich falsch bewertet. Kritisiert werden Annahmen, Datenlücken, mangelnde Transparenz, eindimensionale Modelle und mediale Aufmerksamkeit für extreme Szenarien. Modellierer betonen später, Szenarien seien nicht zwingend Vorhersagen wahrscheinlicher Verläufe.