Themen: Geopolitik, Wirtschaft/Finanzen, Migration/Asyl
Regionen: Schweiz, Schweiz Unbestimmt, International, Europa
André Holenstein widerspricht der Vorstellung einer ausschliesslich aus eigener Kraft entstandenen Schweiz. Wirtschaftlich sei das Land seit Jahrhunderten auf Importe, Exportmärkte und internationale Kapitalströme angewiesen gewesen. Textil- und Uhrenindustrie verarbeiteten importierte Rohstoffe, während die Schweiz später zu einer bedeutenden Exportnation und einem Finanzplatz wurde. Auch Arbeitsmigration prägte das Land: Schweizer Söldner, Handwerker, Gelehrte und Saisonarbeiter suchten Einkommen im Ausland, ehe die Schweiz ab den 1880er-Jahren per Saldo zum Einwanderungsland wurde. Politisch hätten europäische Grossmächte die Entwicklung der Eidgenossenschaft massgeblich beeinflusst. Frankreich ermöglichte 1798 die Helvetische Republik; Napoleon ordnete 1803 die Schweiz föderal neu und schuf mehrere Kantone. Der Wiener Kongress anerkannte 1814/15 die Eigenständigkeit und Neutralität der Schweiz als Sicherheitspuffer zwischen Frankreich und Österreich. Holenstein versteht die Schweiz daher als dauerhaft mit Europa und der Welt verflochtenes Gemeinwesen.