Themen: Kultur/Feuilleton
Regionen: Schweiz, Zürich/Winterthur
Rasmus Max Wirth spielt in «Der Sanfte» unter dem Namen Daniel Imwasser einen zugewandten, zugleich schüchtern wirkenden Verkünder einer neuen Ordnung. Seine Figur verspricht ein besseres, gerechtes und effizientes System, das allen zugutekomme, sofern sich jede und jeder dem vorgesehenen Platz füge. Kritik und Zweifel erscheinen in dieser Logik als Zeichen mangelnden Verständnisses. Lubosch Helds Inszenierung zeigt die Dienstfertigkeit dieser Figur als bodenlose Unverbindlichkeit, die sich selbst als Chance für andere ausgibt. Das Stück verbindet eine konkrete Lesart mit einem Protest gegen die Streichung städtischer Subventionen für das Theater Keller 62 mit einer allgemeineren Kritik an Unterwerfung, Selbstaufgabe und Maximaluniformität. Es setzt dabei auf kunstvolle Verführung statt auf offene Konfrontation. Gerade das Zerpflücken der Zumutung wird stellenweise selbst zur Herausforderung für das Publikum. «Der Sanfte» ist bis 31. Oktober sowie erneut im Januar im Theater Keller 62 in Zürich zu sehen.