Themen: Kultur/Feuilleton, Gesellschaft, Gleichstellung
Regionen: Schweiz, Bern/Freiburg
Sarah Elena Müllers neuer Roman «Unwucht» erzählt auf zwei Zeitebenen von Alice und Rio, die sieben Jahre zusammen und anschliessend sieben Jahre getrennt waren. Ihre Beziehung ist von Liebe, Ablehnung, gegenseitiger Gewalt und Rios Drogensucht geprägt. Alice übernimmt zunehmend Care-Arbeit, sucht Rio bei seinem Verschwinden und trennt sich erst mit Unterstützung von Freundinnen. In der Gegenwart versucht sie, die gemeinsame Vergangenheit aufzuschreiben und Rio mit ihrer Perspektive zu konfrontieren. Der Roman macht dabei sichtbar, dass Erinnerung brüchig bleibt und das literarische Aneignen einer gemeinsamen Geschichte Machtfragen aufwirft. Müller verbindet eine schnelle, rhythmische Sprache mit gewaltvollen Szenen und reflektiert autofiktionale Verfahren. Geschlechterrollen und sexuelle Orientierung sind zentral: Strukturelle Vorprägungen erleichtern laut Müller Manipulation und Gewalt. «Unwucht» erscheint am 20. August im Limmat Verlag; die Buchtaufe ist am 29. September in Bern geplant.