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Eine Conchita Wurst des Mittelalters als queere Heilige?

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Eine Conchita Wurst des Mittelalters als queere Heilige?

Themen: Kultur/Feuilleton, Gesellschaft, Gleichstellung

Regionen: International, Europa

Wilgefortis, auch Kümmernis genannt, entwickelt sich zur inoffiziellen Schutzheiligen der LGBTIQ-Community. Das Museum Schnütgen in Köln verweist auf die um 1480 geschnitzte Figur mit Bart, Brüsten, Krone und Kreuz. Der Legende nach bat die Tochter eines portugiesischen Königs Christus um Hilfe gegen eine Zwangsheirat; ein Bart sollte den Bewerber abschrecken, worauf ihr Vater sie kreuzigen liess. Für queere Deutungen verbindet die Figur weibliche und männliche Attribute sowie den Wunsch nach Selbstbestimmung. Der Kirchenhistoriker Anselm Schubert mahnt jedoch zur Vorsicht: Wilgefortis sei eine Legende, keine offizielle katholische Heilige, und ihr Bart kein Zeichen von Transidentität, sondern Mittel gegen die Ehe. Er schildert zudem wechselnde Geschlechterbilder Christi: Im Mittelalter wurden ihm auch weibliche Eigenschaften zugeschrieben, radikale Protestanten des 16. Jahrhunderts deuteten ihn als androgyn.

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