Themen: Wirtschaft/Finanzen, Kultur, Technologie
Regionen: Schweiz, Ostschweiz
Das Sittertal bei St.Gallen entwickelte sich seit dem 19. Jahrhundert vom Textilstandort zu einem gemischt genutzten Gewerbe- und Kulturareal. 1839 errichteten die Gebrüder Züblin die erste Fabrik und nutzten die Wasserkraft der Sitter für die Flachsproduktion. Knapp 100 Personen, darunter neun Kinder, arbeiteten dort mindestens 13 Stunden täglich. Nach dem Niedergang des Leinens folgten weitere kurzlebige Betriebe und ab 1866 die Motorenstickerei Rittmeyer. Für junge Frauen bestand zudem das «Mädchenasyl Sitterthal». 1904 verlegte Johann Haeni-Merhart seine Färberei ins Tal. Der Betrieb wuchs zeitweise auf bis zu 315 Beschäftigte im Dreischichtbetrieb und verarbeitete in den 1970er-Jahren täglich bis zu 30’000 Meter Stoff. Markt- und Kurseinbrüche sowie asiatische Konkurrenz führten 1990 zur Schliessung. Hans Jörg Schmid organisierte die Umnutzung als Sitterthal AG. Seit 1994 produziert Felix Lehners Kunstgiesserei auf dem Areal; 2006 entstand die Stiftung Sitterwerk mit Bibliothek, Werkstoffarchiv und Atelierhaus. Heute arbeiten rund 190 Personen in 20 Unternehmen dort. Wasserkraft, Photovoltaik und Blockheizkraftwerke liefern Energie; ehemalige Hallen wurden teilweise zu Wohnungen umgebaut.