Themen: Kultur/Feuilleton, Kultur
Regionen: Schweiz, Bern/Freiburg
Heidi Maria Glössner übernimmt im Theater an der Effingerstrasse in Bern in Simon Stephens' «Vanya» allein acht Rollen. Das Stück adaptiert Anton Tschechows «Onkel Wanja» von 1896: Der Alltag auf einem Gutshof gerät aus den Fugen, als der Schwager des Verwalters mit seiner jungen Frau eintrifft und mehrere Figuren sich in sie verlieben. Nach der Abreise des Paares erscheint das bisher ertragene Landleben düsterer. Die Inszenierung von Annina Dullin setzt auf Minimalismus: Glössner spielt mit Tisch, Lautsprechern und einer Schalttafel, über die sie sich selbst loopen kann. Die 82-Jährige hält laut Kritik die Spannung, differenziert Stimmen und Rollen und gestaltet auch intime Szenen intensiv, ohne dass sie peinlich wirken. Die Konstruktion mit nur einer Darstellerin für acht Figuren sei jedoch anspruchsvoll und verlange dem Publikum hohe Konzentration ab; ein zusätzlicher künstlerischer Gewinn erschliesse sich nicht eindeutig. Das Theater startet seine dreissigste Saison nach zwei finanziell schwächeren Jahren und sinkenden Abozahlen. Glössner spielt «Vanya» noch bis 18. September sechsmal wöchentlich.