Themen: Ukraine Krieg, Gesellschaft, Kultur/Feuilleton
Regionen: International, Russland/Eurasien, Europa
Gennadiy Druzenko und Michail Schischkin diskutieren in einem Briefwechsel die Folgen des russischen Angriffskriegs für die ukrainische Gesellschaft und das Verhältnis zu russischer Kultur. Druzenko, Verfassungsrechtler und medizinisch Tätiger an der Front, erklärt die nationale Mobilisierung angesichts des Krieges für nachvollziehbar. Zugleich warnt er davor, dass sie in einen primitiven integralnationalistischen Patriotismus abgleiten könne. Menschliche Würde, Humanismus und moralische Integrität müssten für ihn wichtiger bleiben als Pass, ethnische Herkunft oder Sprache. Schischkin berichtet von einer Begegnung mit einer ukrainischen Historikerin in Lausanne, die ihm als Russen den Handschlag verweigerte, obwohl er die Ukraine unterstützt. Druzenko würdigt Schischkins Essay über den in russischer Haft gestorbenen Oppositionellen Alexej Nawalny, vermeidet jedoch eine unkritische Heroisierung. Im weiteren Austausch berichtet Schischkin von einer Krebsoperation; Druzenko wünscht ihm Genesung und spricht über Literatur, Entrussifizierung und historische Einflüsse aus Kyiv auf Russland.