Themen: Kultur/Feuilleton, Leben
Regionen: Schweiz, Schweiz Unbestimmt
Ferien sollen nicht bloss die Arbeitskraft für die nächste Leistungsphase wiederherstellen, sondern einen Unterbruch der ständigen Verfügbarkeit und Verwertbarkeit ermöglichen. An Hannah Arendts «Vita activa» anknüpfend, wird Freiheit als Zeit und Raum verstanden, um sich bewusst zur Welt ins Verhältnis zu setzen. Abstand zu Routinen, Alltag und Selbstverständlichkeiten könne helfen, langsamer wahrzunehmen, zu lesen und nachzudenken. Als Beispiel dient ein Ausschnitt aus Christine Johanna Kellers Roman «Kopfkind» von 2026: Nach einem Arbeitstag rettet die Protagonistin Johanna eine erschöpfte Hummel aus einer Giesskanne. Die beiläufige Handlung führt sie zu Fragen darüber, welchen Stellenwert Menschen sich selbst geben und aus welcher Perspektive sie die Welt betrachten. Ferien können damit einen Blickwechsel eröffnen – weg vom Funktionieren, hin zu mehr Aufmerksamkeit für Menschen, Landschaft und Literatur.