Themen: Gesundheit, Gesellschaft
Regionen: Schweiz, Schweiz Unbestimmt
Mario Stöckli lebt mit paranoider Schizophrenie und kennt die quälende Unsicherheit, nicht klar zwischen Fantasie und Realität unterscheiden zu können. Seine Familie bildet für ihn eine zentrale Vertrauensinsel. Sein Misstrauen richtet sich nicht gegen abstrakte Systeme, sondern gegen konkrete Begegnungen, Blicke, Erwartungen und Erfahrungen von Nähe oder enttäuschtem Vertrauen. Um Überforderung zu vermeiden, organisiert er soziale Kontakte in kleinen, verbindlich vereinbarten Dosen. Er trifft Freunde je nach Situation zum Spazieren, Schwimmen oder Ausgehen, nimmt Gesangsunterricht und singt im Surprise-Chor. Besuche bei sich zu Hause vermeidet er meist, weil ihm fehlende Rückzugsmöglichkeiten Stress bereiten. Stöckli fühlt sich mit dieser Lebensform zufrieden und nicht grundsätzlich stigmatisiert. Kritisch werden Phasen eines Gedankenkarussells: Dann verliert er auch das Vertrauen in Ärzte und Medikamente, obwohl diese ihm helfen könnten. Sport und insbesondere Boxtraining geben ihm Orientierung, weil Regeln, Gegner und Abläufe dort transparent sind.