Themen: Kultur, Gesellschaft
Regionen: International, Nordamerika
Das historische Fair-Lane-Haus des US-Automobilpioniers Henry Ford in Dearborn, Michigan, soll im Juni 2027 nach 17 Jahren Restaurierung wiedereröffnen. Die Kuratoren wollen Fords Antisemitismus ausdrücklich zu einem zentralen Bestandteil der Vermittlung machen. Eine rund 90-minütige Führung soll zeigen, wie Ford nach dem Scheitern seiner Friedensinitiative im Ersten Weltkrieg zunehmend Verschwörungstheorien über jüdische Finanzkreise übernahm. 1919 kaufte Ford die Zeitung «The Dearborn Independent». Unter seiner Verantwortung verbreitete sie antisemitische Texte, darunter «The International Jew» und die gefälschten «Protokolle der Weisen von Zion». Autohändler mussten die Zeitung zeitweise an Kunden verteilen. Adolf Hitler bewunderte Ford öffentlich; NS-Deutschland verlieh ihm 1938 einen Orden. Das Haus wird den Zustand von 1919 zeigen. Auch Fords gewerkschaftsfeindliche Haltung soll behandelt werden. Jüdische Organisationen begrüssen die Neuausrichtung als überfällige Aufarbeitung.