Themen: Bildung, Gesundheit, Gesellschaft
Regionen: Schweiz, Zürich/Winterthur
Das Architekturdepartement der ETH Zürich will eine lange tolerierte toxische Studiokultur verändern. Der gemeinsam von acht Professorinnen und Professoren neu konzipierte Erstjahreskurs heisst Studio Foundations. Bei Besprechungen dürfen Studierende mit dem Safe-Word «Senf» eine Grenze markieren; in einigen Ateliers gibt es seit Frühjahr 2026 zudem die Möglichkeit eines Time-outs, auch während Präsentationen. Professor Fabio Gramazio beschreibt das Ziel als Abkehr vom Bild des genialen, autoritären Architekten. Frühere Umgangsformen hätten Sexismus, Rassismus, Ranglisten und einen Leidenskult umfasst. Heute gelte Nulltoleranz gegenüber gewaltvollen Aussagen, auch wenn fachliche Kritik weiterhin emotional und verletzend sein könne. Die Umbenennung von Kritiken in Debatten soll den Austausch auf Augenhöhe stärken. Trotz der Reformen berichten Studierende von hohem Pensum, Nachtschichten und körperlicher Erschöpfung vor Zwischenkritiken. Ältere Studierende beobachten zugleich mehr Toleranz bei Absenzen und Krankmeldungen, befürchten aber teilweise einen Verlust an Disziplin. Alle Beteiligten betonen die Notwendigkeit eines respektvollen Umgangs.