Themen: Umwelt, Wirtschaft/Finanzen, Gesellschaft
Regionen: Schweiz, Basel/NWCH, International, Europa
Am 10. Juli 1976 entwich aus dem Icmesa-Werk in Seveso während rund 30 Minuten hochgiftiges Dioxin. Jörg Sambeth, damals technischer Direktor der Genfer Roche-Tochter Givaudan und verantwortlich für Icmesa, hatte nach eigenen Angaben schon Anfang der 1970er-Jahre auf gravierende Mängel wie fehlende Kläranlagen, marode Gebäude und ungenügenden Arbeitsschutz hingewiesen. Vorgeschlagene Investitionen von rund 12 Millionen Franken seien nur teilweise umgesetzt worden. Besonders folgenschwer sei der Verzicht auf ein Auffanggefäss für ein Explosionsentlastungsrohr gewesen. Nach dem Unfall verging fast eine Woche, bis Ärzte und Behörden umfassender über den Dioxinverdacht informiert wurden. Sambeth brach später die Informationssperre und informierte mit einem Roche-Mediziner behandelnde Ärzte. 1985 erhielt er eineinhalb Jahre Gefängnis, während andere Angeklagte freigesprochen wurden. Er sah sich als Sündenbock, räumte aber eigenes Versagen und falsche Loyalität ein. Die Katastrophe führte zu strengeren Sicherheitsvorschriften und den europäischen Seveso-Richtlinien.