Themen: KI/Digital, Kultur/Feuilleton
Regionen: International, International Unbestimmt
Maschinelle Übersetzung könnte das menschliche Übersetzen teilweise verdrängen und damit die unmittelbare Auseinandersetzung mit Eigenem und Fremdem verändern. Marc Ulrich sieht in guten Übersetzungen Spuren der Ausgangssprache. Der Übersetzer und Proust-Kenner Jürgen Ritte hält dagegen fest, dass sich Fremdheit nur begrenzt in die Zielsprache übertragen lasse. Historisch seien Übersetzungstheorien auch politisch geprägt gewesen: Französische Übersetzungen aus dem Italienischen sollten die eigene Sprache modernisieren, deutsche Übertragungen aus dem Französischen und Italienischen eine Literatursprache formen. In der Praxis bestimmen Lesbarkeit, Markt, Textsorte und kulturelle Vertrautheit, welche fremden Elemente erhalten bleiben. Eigennamen oder Begriffe wie «Salade niçoise» würden eher übernommen als sprachlich stärker entfernte Namen und Schriften. Übersetzungsgeräte reduzieren Sprache auf schnelle Funktionalität, erleichtern aber Kommunikation. Die technische Entwicklung lasse sich nicht aufhalten; Übersetzen und Kommunizieren blieben dennoch komplexe, nur teilweise automatisierbare Tätigkeiten.