Themen: Kultur/Feuilleton, KI/Digital
Regionen: International, International Unbestimmt
Michel Mettler denkt über seine wegen eines schadhaften Bodens in Schachteln ausgelagerte Bibliothek nach. Bücher erscheinen ihm als Speicher dessen, was das eigene Gedächtnis nicht behalten kann, und als verlässliches Medium ohne Strom, Fehlermeldungen oder Abhängigkeit von digitalen Infrastrukturen. Zugleich stellt er die Frage, welche Bände nach der Rückkehr ins Regal bleiben sollen: Erinnerungsstücke, Wissen für kommende Generationen oder noch ungelesene Versprechen. Der Essay greift Kathrin Passigs Plädoyer von 2010 für elektronisches Lesen und gegen Bücherregale als Statussymbol auf. Mettler sieht darin keinen entschieden Kulturkampf mehr. Gedruckte Ausgaben, öffentliche Bücherschränke, E-Reader und Online-Recherche könnten nebeneinander bestehen. Das Internet beschreibt er als überwältigende, verlinkte Informationsfülle, die zum oberflächlichen Weiterklicken verführen könne. Zwischen radikaler Entrümpelung und der Lust an Dingen als Trägern persönlicher und historischer Geschichten bleibt für ihn ein ungelöster Zwiespalt.