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kontertext: Die Tempelwächter in meinem Regal (3)

Infosperber
kontertext: Die Tempelwächter in meinem Regal (3)

Themen: KI/Digital, Kultur/Feuilleton, Gesellschaft

Regionen: Schweiz, Schweiz Unbestimmt

Michel Mettler erinnert sich an die Buchhandlungen der frühen 1990er-Jahre, deren unterschiedliche Sortimente ihn für Film, Romanistik, Architektur und Philosophie nach Zürich führten. Barzahlung und persönliche Gespräche hätten damals verhindert, dass seine Lektüreinteressen zu einem verwertbaren Kundenprofil zusammengefügt wurden. Mit dem Aufstieg der Onlinehändler und dem Niedergang des Sortimentsbuchhandels eröffnete er aus Bequemlichkeit selbst ein Konto beim dominierenden Anbieter. Dieser erfasse Suchbegriffe, Käufe, Adresse, Surfverhalten und weitere Metadaten, um Bedürfnisse vorherzusagen und mit personalisierter Werbung zu bedienen. Die Empfehlungen träfen bei Büchern bisweilen durchaus, doch ein Bot könne weder lesen noch ein Gespräch über Walter Benjamin führen. Unter Bezug auf Shoshana Zuboff kritisiert Mettler ein Geschäftsmodell, das Nutzerdaten sammelt, Verhalten beeinflusst und Vorhersagen verkauft. An die Stelle ehemaliger Buchhandlungen seien ein Nagelstudio und ein Kosmetikgeschäft getreten. Wissen dürfe nicht zur maschinell verwalteten Information und zum Machtmittel weniger Akteure werden.

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