Themen: Kultur/Feuilleton
Regionen: Schweiz, Romandie
Dominique Zieglers dritter Band der Gesamtwerke versammelt Dramen über Kolonialismus, Migration, Geschlecht und nonkonformistische Revolte. Der Genfer Autor wird als Vertreter eines öffentlichen, staatsbürgerlichen Theaters gewürdigt: Seine Stücke sollen unterhalten, über soziale und politische Missstände aufklären und emanzipatorisch wirken. Ziegler bearbeitet historische Figuren und nationale Mythen, um die Gegenwart zu historisieren und etablierte Vorstellungen infrage zu stellen. Seine Erzählungen stellen etwa das nationale Selbstbild der Schweiz auf den Prüfstand und heben verdrängte Erfahrungen von Exil hervor. Als Stärke gilt auch seine Recherchearbeit vor Ort und in Quellen. Der Essay plädiert dafür, Ziegler künftig stärker von Anliegen wenig gehörter Bevölkerungsschichten ausgehen zu lassen. Zugleich wird seine Kritik an exklusiv besetzten Kulturkommissionen hervorgehoben. Seine bewusst erzählerische, verständliche Form gilt nicht als rückständig, sondern als produktive Gegenwartsferne. Vorbehalte gelten seiner Orientierung an psychologisch gezeichneten Figuren; ein dokumentarischeres, sozialgeschichtlich ausgerichtetes Theater nach Piscator erscheint als mögliche Ergänzung.